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Interview 2

Bei mir war es auch so, dass ich zuerst eine handwerkliche Ausbildung gemacht habe. Danach hat mein Meister mich zur Einberufung freigegeben (um 1995). Dort wurde ich dann als Sanitätssoldat eingesetzt. Das war für mich das erste Mal, dass ich mit diesem Bereich in Berührung gekommen bin und es hat mir gut gefallen. So gut, dass ich mich danach (selbstfinanziert) zum Rettungssanitäter hab ausbilden lassen. Während der Ausbildung habe ich ein verpflichtendes Praktikum in der Leitstelle absolviert und konnte mir grundsätzlich vorstellen, auch dort zu arbeiten. Es wurden damals auch gerade dringend Leitstellendisponenten gesucht. Mein Arbeitgeber, entsandte mich deshalb als Delegierter genau dorthin. Ich war sowas wie eine Aushilfe.

Später schrieb der Landkreis für diesen Bereich Stellen aus, sodass ich mich dann für die Kreisleitstelle in Fürstenwalde beworben habe. Damals war die Technik noch analog und das Einsatzleitsystem stand in den Anfängen. Wir führten deshalb ein Wachtagebuch, in denen wir alle wichtigen Daten, die sich aus den Anrufen ergaben, festhielten. Also, wer wann, mit welchem Anliegen angerufen hat  und was wir unternommen haben. Die spätere Lesbarkeit war dabei stark vom Schreiber abhängig. Ich war damals nur für den medizinischen Bereich verantwortlich. Der Feuerwehrbereich kam erst später dazu. Wir haben in unserer Schicht zu zweit gearbeitet. Und man kann sich vorstellen, wie intensiv die Zusammenarbeit war und das wir als Team eng zusammengewachsen sind. Mit der Zeit ist das Einsatzaufkommen immer mehr gestiegen.

Ich würde sagen, dass die Arbeit als Leitstellendisponent ganz sicher sehr viel technischer geworden ist, aber auf keinen Fall schlechter. Wie gesagt, stand unser Einsatzleitsystem so um 1996 in den Anfängen, Frankfurt hatte übrigens ein anderes. Wir haben das mitgemacht, was heute die Technik zu großen Teilen übernimmt. So haben wir selbst die Statistik geführt und uns mit den Rettungskräften über Funk verständigt. Jede Statusmeldung wurde persönlich angesagt. Heute gibt es in den Rettungsfahrzeugen Funkgeräte, die uns durch das Drücken einer Zahl den Status übermitteln. So steht der Status zwei z.B. dafür, dass das Einsatzmittel mit den Rettungskräften einsatzbereit auf der Wache ist oder bei Status acht, dass der Wagen sich am Transportziel (etwa dem Krankenhaus) befindet.

Damals wie heute wurde natürlich heftig darüber diskutiert, ob uns die Technik, insbesondere das Einsatzleitsystem dienlich ist, oder ob es handschriftlich/analog für uns vorteilhafter ist. So ist es halt. Manche nehmen Änderungen gut an und andere tun sich schwer damit. Es gab eine Übergangszeit, in der es den Disponenten freigestellt war, ob Sie mit dem elektronischen System oder weiterhin mit dem Wachtagebuch dokumentieren möchten. Es setzte sich langfristig natürlich die elektronische Dokumentation durch. Die war viel sauberer und somit nachvollziehbarer. Das Wachtagebuch wurde damit obsolet. Das Einsatzleitsystem war als Unterebene von Windows DOS-versiert und somit schnell und stabil. Es gab auch längst nicht so viele Schnittstellen und Subsysteme, wie es heute der Fall ist. Von Fürstenwalde sind wir dann nach Beeskow gezogen. Die Räumlichkeiten waren gut. So gab es auch dort einen Stelzenfußboden, unter dem die ganzen Kabelstränge verlaufen, eine Klimaanlage und ein Notstromaggregat. Mittlereile gab es auch einen verantwortlichen Techniker, der sich um die Datenpflege und Technik kümmerte. Allerdings hatte er trotzdem noch mit uns dispositioniert. Das war auch gut, weil er dadurch nah an der Realität gearbeitet hat. Das ist schon gut, wenn man sich sprachlich und inhaltlich versteht.

Wie erwähnt, wurde ich 1998 in der Leitstelle eingestellt und absolvierte erstmal die Ausbildung zum Rettungsassistenten und begann etwas später die Feuerwehrgrundausbildung (B1 und B3). Dafür machte ich ein Praktikum bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt (Oder). Das hatte mir so richtig gut gefallen und dort wäre ich auch geblieben, wenn ich ausschließlich nur im Bereich der Feuerwehr hätte arbeiten können. Grundsätzlich mochte ich auch die Rettungsdienstarbeit- aber das ist ein Knochenjob ohne Pausen. Somit hatte das für mich keine Langzeitperspektive. Ich kenne wenige, die den Beruf unbeschadet bis zur Rente hin ausüben konnten. Das ist schade, weil es grundsätzlich eine wunderschöne Arbeit ist. Jetzt im Nachhinein denke ich, dass das auch für mich die richtige Entscheidung war.

Was sich in der Teamdynamik verändert hat? So einiges! Wir haben früher richtig viel Unfug gemacht, den ich hier besser nicht erzähle J Bis heute gibt es in der Leitstelle viele Kollegen, die ich so sehr lange kenne. So langsam kommt erst die neue Generation. Aber das war schon sowas wie Familie. Wir haben eng im Tag- und auch im Nachtdienst zusammengearbeitet und vieles gemeinsam er- und durchlebt.

Bis 2006 war ich in Beeskow. In diesem Jahr wurden die Leitstellen aus Seelow und Frankfurt (Oder) zusammengelegt. Alle arbeiteten nun gemeinsam die einkommenden Notrufe für die Landkreise MOL, LOS und für die Stadt Frankfurt (Oder) ab. Das mit der Umstellung war nicht so einfach. Wir kannten uns ja nur übers Telefon oder über Lehrgänge. Aber es stellte sich heraus, dass die Gepflogenheiten gar nicht so unterschiedlich waren. Dadurch, dass aber die Teams viel größer geworden sind, ist es gleichzeitig auch anonymer geworden.

Was denken Sie über die Arbeit im Schichtdienst?

Zu Beginn haben wir im 12-Stunden-Rhythmus gearbeitet. Ich fand das schon sehr belastend. Ich kann mich erinnern, dass ich manchmal auf dem Heimweg mit dem Auto an die Seite gefahren bin und mich erstmal gesammelt habe. Das mit dem Autofahren nach dem Nachtdienst war manchmal auch sehr grenzwertig. Auch für die Familie und für den Freundeskreis empfand ich den Schichtdienst als belastend. Dann wurde der Schichtdienst von 12 auf 8 Stunden und jetzt wieder auf 12 Stunden umgestellt. Heute ist es so, dass in Rollen gearbeitet wird. Das bedeutet, dass es in der Regel nicht ständig einen neuen Dienstplan gibt, sondern sich Schichtmuster wiederholen, dadurch ist es besser planbar.

Worauf sind Sie beruflich besonders stolz?

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass alte Wahrheiten oft stimmen. Einmal, dass man wirklich alles schaffen kann, wenn man sich wirklich investiert und, dass andere auch nur mit Wasser kochen. Ich selbst habe mich auch beruflich immer weiterentwickelt und ständig dazugelernt.